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Veröffentlicht am 10.06.2012 in der Kategorie: News

Borneo: Die Pflanzung eines neuen Waldkorridors für Orang Utans, Sabah-Nashörner und andere bedrohte Arten hat begonnen

Um einen Beitrag im Kampf gegen das Artensterben in den Regenwäldern Südostasiens zu leisten, hat der Rhino and Forest Fund (RFF) im Mai 2012 in Zusammenarbeit mit dem Sabah Wildlife Department und dem Sabah Forestry Department mit der Vernetzung mehrerer wichtiger Schutzgebiete auf Borneo begonnen.


RFF-Projektgebiet am Tabin River

RFF-Projektgebiet am Tabin River

Die Tieflandregenwälder Borneos zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Vor allem in den letzten 30 Jahren wurden die Wälder dieser Insel jedoch weitgehend abgeholzt - nicht zuletzt, um die ständige Nachfrage der Industrieländer nach Tropenholz, Papier, Palmöl und "Biosprit" zu befriedigen. Mittlerweile stehen wir vor einem Flickenteppich aus überwiegend schwer geschädigten Waldresten inmitten von Palmölplantagen. Damit das nun drohende Aussterben zahlreicher von Lebensraumverlust bedrohter Arten doch noch "in letzter Minute" verhindert werden kann, ist die Schaffung eines weitläufigen Biotopnetzwerks notwendig.

Das von Palmölplantagen eingeschlossene Tabin Wildtierreservat im malaysischen Bundesstaat Sabah auf Borneo soll daher in den nächsten Jahren mit weiteren geschützten Waldgebieten zusammenwachsen, um bedrohten Tierarten Wanderungen zwischen den verbliebenen Waldresten zu ermöglichen. Nach Abschluss des Projekts, soll durch den neu angelegten Korridor eine zusammenhängende Waldfläche von über 200.000 Hektar entstanden sein - das entspricht mehr als der doppelten Fläche von Berlin.

Bedeutung des Projektgebiets:

Das Tabin Wildtierreservat ist eines der letzten Gebiete Borneos, wo noch nahezu alle einheimischen Großtiere angetroffen werden können. Hierzu zählen beispielsweise das Borneonashorn (auch Sabah-Nashorn genannt), der Bornesische Zwergelefant, der Orang Utan, der Banteng (eine sehr seltene Wildrinderart) und der Malaienbär. Zur Zeit ist Tabin allerdings quasi vollständig von riesigen Palmölplantagen eingeschlossen und von den übrigen Waldgebieten abgeschnitten.
Um vom Aussterben bedrohte Arten zu retten, die unter der Zerschneidung ihres Lebensraums leiden, will der RFF einen Beitrag zur Errichtung eines geschlossenen Netzwerks von Schutzgebieten von ausreichender Qualität und Größe leisten. Dies würde den genetischen Austausch zwischen momentan getrennten Subpopulationen bedrohter Arten ermöglichen und wesentlich zum Erhalt gesunder Populationen beitragen. Die Wiederaufforstung bestimmter von Holzeinschlag verwüsteter Waldgebiete und die Wiedervernetzung Tabins mit anderen Schutzgebieten ist entscheidend für das langfristige Überleben vieler bedrohter Arten in Sabah.

Hierzu Dr. Petra Kretzschmar vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin und Artenschutzexpertin des RFF:

"Ein Hauptproblem für die mittlerweile weniger als 50 verbliebenen Sabah-Nashörner ist, dass sich die einzelnen Individuen in zerschnittenen Waldresten aufhalten und Paarungen dadurch sehr selten geworden sind. Mit Waldkorridoren kann in Kombination mit dem anlaufenden Nashornzuchtprogramm für die bedrohten Nashörner eine langfristige Überlebensperspektive geschaffen werden. Von den Korridoren würden selbstverständlich auch alle anderen Arten wie Orang Utan oder Nasenaffe profitieren, die momentan in isolierten Waldinseln akut von Nahrungsmangel und Inzucht bedroht sind."

Die Vorgeschichte der Aufforstungsaktivitäten

Der 2009 gegründete RFF  hat bereits im März 2011 ein erstes Wiederaufforstungsprojekt in Zusammenarbeit mit der staatlichen Forstbehörde gestartet.

Das Projektgebiet besteht aus einem Streifen schwer geschädigten Regenwaldes im Tabin Wildtierreservat, der bereits in den 80er Jahren abgeholzt wurde und sich bis heute nicht von selbst regenerieren konnte.

Eine der Voraussetzungen für den RFF, sich in Sabah zu engagieren, war daher auch das Versprechen der Regierung, die aufgeforsteten Gebiete und Tabin in Zukunft vor jeglichem Holzeinschlag oder etwaigen Landnutzungsänderungen zu schützen, was in zwei 2010 und 2012 unterzeichneten Abkommen zwischen der Staatsregierung Sabahs und dem RFF bekräftigt wurde.

Die Ziele des Aufforstungsprogramms sind:

  • strategisch besonders wichtige Waldgebiete wieder zu vernetzen
  • in geschädigten Waldgebieten das ursprüngliche Ökosystem wieder herzustellen
  • die Artenvielfalt mit der Pflanzung ursprünglicher Baumarten zu maximieren
  • die Tragfähigkeit der Projektgebiete für bedrohte Tiere durch die Anreicherung mit Fruchtbäumen zur Vergrößerung des Nahrungsangebots zu erhöhen
  • das Bewusstsein für die Bedeutung des Projektgebiets zu stärken
  • die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung durch die Schaffung alternativer Verdienstmöglichkeiten

Wie funktioniert die Aufforstung?

Gepflanzt werden die durch Abholzungen der vergangenen Jahrzehnte verschwundenen ursprünglichen Baumarten. Die Setzlinge sollen innerhalb von 20 - 30 Jahren wieder ein geschlossenes Kronendach für den neuen Wald bilden. So wird das ursprüngliche Ökosystem mit seinen besonderen klimatischen Bedingungen wieder hergestellt. Zudem werden einheimische Fruchtbäume gepflanzt, um für ein größeres Futterangebot zu sorgen. Dadurch können in Zukunft mehr Tiere auf engerem Raum überleben als heute, was die Überlebenschancen bedrohter Populationen deutlich erhöht.

 Um neue Bäume pflanzen zu können, müssen erst Lücken ins Dickicht geschlagen werden, um den mittlerweile von anderen Pflanzen zugewucherten ehemaligen Waldboden wieder frei zu legen. In diese Lücken werden dann Baumsetzlinge gepflanzt und anschließend von Hand über mehrere Jahre regelmäßig von Überwucherungen befreit. Nach 3 - 5 Jahren sind die Bäume bereits groß genug, um sich im Wettkampf um das Sonnenlicht zu behaupten und der Renaturierungsprozess geht ohne weitere Hilfe voran.

Priorität auf Vielfalt

Bei der Auswahl der Setzlinge achtet der RFF auf eine hohe Vielfalt. Gepflanzt werden zur Zeit über 50 verschiedene einheimische Baumarten. Die Samenbank ist jedoch auch im Hinblick auf die intraspezifische Diversität reichhaltig. Das Augenmerk richtet sich nicht nur auf die Anzahl der Arten, sondern auch darauf, für möglichst jede einzelne Art Setzlinge von verschiedenen Mutterbäumen verschiedener Herkunft zu garantieren. Daher bezieht der RFF seine Setzlinge von mehr als 10 verschiedenen Quellen. Dadurch soll ein diverser genetischer Pool für die verschiedenen gepflanzten Arten erreicht werden.

"Unser Ansatz ist es, bei der Pflanzung des Waldkorridors eine möglichst große Zahl heimischer Baumarten zu pflanzen. Auch wenn das selbstverständlich klingen mag, ist das Konzept bei Wiederaufforstungen möglichst viele verschiedene Arten zu pflanzen bei den meisten Projekten längst noch keine gängige Praxis. Bei unseren Projekten in und um Tabin greifen wir auf ein reichhaltiges Sortiment an Setzlingen verschiedener Arten mit hoher genetischer Diversität zurück, um die natürliche Regeneration des ursprünglichen Ökosystems zu beschleunigen," erklärte RFF-Mitbegründer Dr. Philippe Saner von der Universität Zürich.

Finanzierung und Ausweitung des Programms

Die Anschubfinanzierung für die ersten beiden Pflanzgebiete stammt v.a. vom Zoo Leipzig und von privaten Spenden aus Deutschland und der Schweiz. Die Projektgebiete werden abhängig von den verfügbaren finanziellen Mitteln stetig ausgeweitet.

Der Start weiterer Projekte ist bereits für das Jahr 2013 geplant.


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Die letzten Sabahnashörner

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Wiederaufforstung in Sabah, Nord-Borneo

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